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Geschichte der Pädagogik

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Geschichte der Pädagogik Artikel

Die Geschichte der Pädagogik ist eine historische Betrachtung von unterschiedlichen Erziehungsansätzen, die in ihrer jeweiligen Situation beleuchtet werden sollten.

Dabei gibt es unterschiedliche Ansätze, diese Geschichte zu schreiben:

  • universalistisch, versucht die verschiedenen Strömungen der Pädagogik global nachzuzeichnen (was allerdings ein enormes Unterfangen ist);
  • partikularistisch also die Darstellung der Entwicklungen in einer begrenzten Region oder auch einer Teildisziplin (z.B. die interkulturelle Erziehung in Deutschland);
  • kritisch, beleuchtet insbesondere die sozio-ökonomischen Bedingungen von Erziehung und ihren Reproduktionscharakter.
Inhaltsverzeichnis
Buch-Tipp: Das Geheimnis der Hebamme. Exakt wie erwartet . . . . . . und das ist recht gut. Ich liebe historische Romane und habe auch diesen mit viel Freude (und dem willkommenen Nebeneffekt, einige historische Fakten auffrischen zu können) gerne gelesen. Allerdings vermisse ich auch das "gewisse Etwas", das diesen Roman aus der Masse der anderen Bücher dieser Gattung heraus ragen...

Traditionell hat Erziehung die Aufgabe, bestimmte gesellschaftliche Einstellungen an die kommenden Generationen weiterzugeben. Dabei geht es insbesondere deshalb, Religion und Traditionen zu vermitteln sowie die Fähigkeiten, die jemand für eine bestimmte Position in der Gesellschaft benötigt. Da nicht alle Personen einer Gesellschaft Zugang zu allem Wissen erhalten, sondern bestimmte Informationen (Lesen, Schreiben, Rhetorik ...) auf die Führungselite (Könige, Priester etc.) beschränkt bleiben, kann man hier von "Herrschaftswissen" sprechen. Erziehung findet weitgehend in den Familien oder auch Nachbarschaftsgemeinschaften statt. In der Antike fordern die griechischen Philosophen eine umfassende Bildung für die "freien Bürger", und legen eine Grundlage für die öffentliche Erziehung. Griechische Lehrer beeinflussen auch die Pädagogik in dem antiken Rom maßgeblich.

Mit der Ausbreitung des Christentums wird die öffentliche Erziehung vor allem an die Kirche angebunden. In den Dom- und Klosterschulen werden neben den antiken "freien Künsten" vor allem der christliche Glaube an die Mitglieder des Klerus vermittelt. Gleichzeitig entstehen mit dem Vordringen des Islam universellere Bildungsideale, die auch Sprach- und Naturwissenschaften mit einschließen und deren Zentrum in Europa die Universität von Córdoba ist.

Buch-Tipp: Der weiße Reiter. gelungene Fortsetzung! Ich war überrascht, dass Cornwell es geschafft hat an den genialen Vorgänger anzuknüpfen. Während des Lesens merkt man wie einem der Hauptcharakter Uthred stets mehr duch seine unglaubliche Authentizität ans Herz wächst. "Der weiße Reiter" zählt ebenso wie sein Vorgänger "Das letzte Königreich" zu den besten historischen...

Mit dem Mittelalter werden die Bildungsaktivitäten der christlichen Kirche noch verstärkt, und in der Scholastik wird der Versuch unternommen, die Pädagogik von Aristoteles und das Christentum zu verknüpfen. In dem 12. Jahrhundert kommt es zu einem Aufblühen der Bildung in Europa, die Klöster sind häufig deren Zentrum, es werden aber auch bis heute bekannte Universitäten (in Paris, Oxford und Bologna) gegründet. Diese Bildung bleibt allerdings dem Adel und dem Klerus vorbehalten – die Berufsausbildung für die übrige Bevölkerung ist derweil Aufgabe der Zünfte.

In der Renaissance verändert sich die Situation: vor allem ein umfassenderes Studium der Antike wird angestrebt. Es ist der Anfang der humanistischen Bildungsideale, die über die Vermittlung von christlicher Demut ein neues, forschendes Lernen anstreben. Dieses wird besonders von der Erkundung und Unterwerfung von stets größeren Teilen des Globus befördert. Neben den kirchlichen Schulen entstehen "Bürgerschulen", in denen die Schüler aus dem Bürgertum die für den Handel notwendigen Kenntnisse in dem Lesen, Schreiben und Rechnen erwerben können. Für die breiten Schichten des Volkes bleiben allerdings ca. sogenannte "Klipp-" oder "Winkelschulen", die von der Obrigkeit verfolgt werden.

Buch-Tipp: Die Herren des Nordens Heil den tapferen Toten in Odins Reich. . . Alle 3 Romane um Uthred sind sehr gut gelungen und spannend zu lesen. Alle haben eine unglaublich dichte Atmosphäre. Das einzige was mich etwas stört ist, das Uthred noch so jung ist. Ein paar Jährchen mehr würden in besser zu Gesicht stehen. Nichtsdestotrotz liebe ich diese Bücher und freue mich...

Mit der Reformation kommt es zu einem Niedergang des katholischen Bildungswesens in den 1520er Jahren. Danach verstärken sowohl die katholische als auch die reformierte Kirche ihre pädagogischen Anstrengungen; so gründet der Jesuitenorden ab 1540 in ganz Europa Schulen. Die protestantischen Schulen dienen vor allem auch der Verbreitung der dazugehörigen Ideologie, die später als protestantische Arbeitsethik bekannt wird: Askese und Arbeit erscheinen als die Daseinsberechtigung und Voraussetzung für den Einzug in das Himmelreich; Rausch und Genuss werden dagegen abgelehnt. Dieser Ansatz wird auch in der Sozialfürsorge angewendet. Waren Almosen bislang ein Teil christlicher Nächstenliebe, wird nun von den Armen selbst ein Beitrag verlangt. Arbeitshäuser und andere Zwangseinrichtungen werden zunehmend zu ihrer Bekämpfung eingerichtet.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648) werden große Teile Mitteleuropas entvölkert und das Bildungswesen kommt weitgehend zu dem Erliegen. Geprägt von dem Gemetzel entsteht um 1632 die erste große pädagogische Abhandlung: Comenius': "Didactica Magna", in der er eine Allgemeinbildung für alle Menschen fordert. Neben der Förderung der Muttersprache soll Pädagogik für ihn auf eine gerechte Gesellschaft hinarbeiten, in der Menschen unabhängig von Geschlecht oder Herkunft die gleichen Rechte haben. Sein Absicht ist es, "allen alles zu lehren". Die sich aus diesem Ideal ableitende Schulpflicht wird in den kommenden hundert Jahren in den meisten deutschen Teilstaaten eingeführt. Allerdings keineswegs in dem Sinne von Comenius: sie dient vor allem dazu, die Bevölkerung in dem Sinne der absolutistischen Herrscher zu indoktrinieren. Zur Bekämpfung des Elends werden stets mehr Heime und Arbeitshäuser, wie z. B. die "Franckesche Anstalten" in Halle (Saale) eingerichtet. Solche Einrichtungen werden zunehmend auch dazu genutzt, um von der Obrigkeit entführte Kinder der Sinti und Roma zu disziplinieren.

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Währenddessen entwickeln sich in anderen Teilen Europas Wissenschaft und Technik rasant und damit kommen neue aufklärerische Bildungsideen auf. John Locke (1632 - 1704) formuliert den Gedanken der "tabula rasa", nachdem die Menschen bei Geburt wie ein leeres Blatt seien, das erst durch die Erziehung beschrieben würde. Damit formuliert er einen Grundgedanken der bürgerlichen Pädagogik, in welcher der Erziehung alles möglich erscheint – zugleich sind diejenigen, die von der Erziehung betroffen sind, ein Nichts. Diese Ideologie findet sich auch im Roman "Émile oder über die Erziehung" von Jean-Jacques Rousseau (1712 - 1778); in Deutschland wird sie unter anderem von Christian Gotthilf Salzmann (1744 - 1811) und in der Schweiz von Johann Heinrich Pestalozzi vertreten. Kindheit wird damit erstmals in Europa als ein eigenständiger Lebensabschnitt wahrgenommen, zuvor werden hier Kinder als "kleine Erwachsene" betrachtet.

Mit der Aufklärung kommen auch Gedanken der Toleranz und Gleichberechtigung von Minderheiten auf. Besonders die jüdischen Ansätze der Haskala bereiten ab 1760 die Emanzipation vor, in einigen "Freischulen" wird auch eine gemeinsame Beschulung jüdischer und christlicher Schüler praktiziert. Die kurzzeitige Gleichstellung der Juden in Deutschland in Folge der französischen Besatzung wird allerdings mit dem Wiener Kongress 1815 rückgängig gemacht.

Mit humanistischen Idealen plant Wilhelm von Humboldt (1767 - 1835) um 1810 die Neugestaltung des deutschen Bildungssystems. Dabei kann er sich mit der Reform der Universitäten und der Schaffung von humanistischen Gymnasien durchsetzen. Allerdings werden seine Bildungsideale dem kapitalistischen Effizienzgedanken geopfert. Das dreigliedrige Schulwesen dient in erster Linie der Reproduktion der gesellschaftlichen Verhältnisse: die Gymnasien bleiben den Kindern der herrschenden Klassen vorbehalten, die Realschulen vor allem den Handwerkern, die Haupt- und die Volksschule den Arbeitern, Bauern und den Armen.

Mit der Kolonisierung verpflanzen europäische Staaten ihre Bildungssysteme auch in andere Teile der Welt, wobei auch hier die Schulen dazu dienen, die herrschenden Verhältnisse aufrecht zu erhalten. So dienen die deutschen Missions- und Kolonialschulen vor allem der Christianisierung sowie der Abrichtung von loyalen Untertanen. Die Bildungsinhalte sind in der Regel neben religiösen Themen vor allem auf die für die Arbeit notwendigen Kenntnisse beschränkt. Eine ähnliche Bildungspolitik verfolgt auch die deutsche Verwaltung in den besetzten polnischen Gebieten bis 1918. Gegen die Versuche, diese Gebiete auch durch Sprachpolitik zu "germanisieren", gibt es teilweise heftige Widerstände.

Buch-Tipp: Die Spur der Hebamme. Langes Lesen ist Pflicht Hat mir einfach ca. gut gefallen. Sehr schön am Ende komprimierte Hintergrundinformationen über Zeit und Personen. In dem Vergleich zu dem ersten Teil hat Frau Ebert hier nicht nachgelassen. In der letzten Hälfte habe ich sogar bis 2 Uhr Nachts das Buch nicht aus der Hand legen können. Die Brutalität war mir zu dem Teil etwas...

Bis in das 20. Jahrhundert sind die meisten pädagogischen Ansätze auf eine gewaltsame Unterwerfung der Kinder ausgerichtet, die heutzutage als Kindesmisshandlung zu werten ist. Gegen die Entfremdung in dem Bildungssystem fordert die Reformpädagogik zu Ende des 19. Jahrhunderts eine "Erziehung vom Kinde" aus. Hierzu greift sie auf Bildungsideale der Aufklärung zurück, die sie mit einer romantischen Lebensreformideologie verbindet. Gleichzeitig entsteht die Jugendbewegung. "Jugend" erscheint erstmals als ein eigenständiger Lebensabschnitt und in Abgrenzung zur stets umfassenderen Industrialisierung versuchen Jugendliche, sich auf Fahrten ihrer Sehnsucht nach Freiheit und Natur zu verwirklichen. Neben Ansätzen einer demokratischen Erziehung kommen auch völkische und antisemitische Strömungen auf.

In der Weimarer Republik bekommen erstmals Reformpädagogen wie Gustav Wyneken die Möglichkeit, Bildungspolitik zu gestalten. Nach der Verfassung sollen "Anlage und Neigung" und nicht die soziale Herkunft über die Bildung entscheiden. Gleichzeitig werden erste Schritte zu einer demokratischen Erziehung gefordert. Diese beschränken sich allerdings auf Ansätze der begrenzten Schülervertretung, Staatsbürgerkunde sowie auf die Förderung muttersprachlicher Erziehung für einige anerkannte Minderheiten. Die Trennung der Schüler nach ihrer Klassenzugehörigkeit wird für die Zeit der gemeinsamen Grundschule aufgehoben und damit sollen die Chancen zu dem sozialen Aufstieg verbessert werden. In dieser Zeit wird in dem Völkerbund auch erstmals über universelle Kinderrechte diskutiert.

Buch-Tipp: Die Säulen der Erde. Ein Buch für lange Abende Eines jener Bücher die eingentlich nie enden sollten, was anfänglich aufgrund der Seitenzahl eher kaum vorstellbar ist. Doch schon nach ein paar Seiten kann man sich dem Fessel-Effekt kaum noch entziehen. Ein sehr schön zu lesenden Buch, spannend und abwechslungsreich. Sehr zu empfehlen.

Die ohnehin kleinen Versuche einer Demokratisierung werden in dem nationalsozialistischen Deutschland zunichte gemacht. Die Erziehung im Nationalsozialismus ist geprägt von einem Totalitätsanspruch der Führung gegenüber allen Menschen. So versuchen die Nazis durch den Ausschluss oppositioneller Lehrer, die Vorgabe von Unterrichtsinhalten, der Bildung neuer Schultypen, sowie die Erfassung der Jugend in der Hitler-Jugend ihre nationalistisch-rassistische Propaganda möglichst effizient zu verbreiten. Zugleich ist die Diskriminierung und Verfolgung von Juden sowie der Sinti und Roma in den Schulen besonders deutlich nachzuvollziehen.

Buch-Tipp: Die Säulen der Erde. Sonderausgabe. 12 CDs (Lübbe Audio) Ein Buch für lange Abende Eines jener Bücher die eingentlich nie enden sollten, was anfänglich aufgrund der Seitenzahl eher kaum vorstellbar ist. Doch schon nach ein paar Seiten kann man sich dem Fessel-Effekt kaum noch entziehen. Ein sehr schön zu lesenden Buch, spannend und abwechslungsreich. Sehr zu empfehlen.

Re-Education

Mit der Befreiung Europas vom Faschismus tut sich für die Alliierten die Frage auf, wie sie mit der durch Indoktrination aufgehetzten Bevölkerung umgehen sollen. Neben dem Rückgängigmachen der NS-Erziehungsansätze und eine Aufklärung über die Verbrechen des Holocausts versuchen sie vor allem über die Neugestaltung des Unterrichts eine Demokratisierung einzuleiten. Während in den westlichen Zonen die Abschaffung der ständischen dreigliedrigen Oberschule misslingt und das Schulsystem der Weimarer Republik weitgehend wiederhergestellt wird, ist die Umgestaltung in dem sowjetischen Sektor grundlegender: In der DDR soll ein Modell marxistisch-leninistischer Erziehung die bisherigen Ungerechtigkeiten überwinden. Die spezielle Förderung von Arbeiterkindern sowie die Absichte von "Solidarität" und "Völkerfreundschaft" bringen allerdings erneut ein Bildungssystem hervor, das auf Indoktrination und die Reproduktion der herrschenden Zustände abzielt.

Buch-Tipp: Kind 44 Gut gemachter Krimi mit historischem Background Spannend, überraschend und gut recherchiert. Was will man mehr? Das Buch schildert (auf zugegebenermaßen etwas plakative Art) die schwer nachvollziehbare Denkweise eines Kindes- und Serienmörders vor dem Hintergrund des Stalinismus der 50er Jahre. Beide Themen sind so komplex, daß jedes für sich...

Der Restauration folgt in der BRD eine allmähliche Annäherung an die westlichen Staaten. Der Sputnikschock 1957 bringt hier die Notwendigkeit der Reformierung der Bildungssysteme auf die Tagesordnung. In der Bundesrepublik wird dies erneut durch Georg Pichts Buch "Der Bildungsnotstand" von 1964 deutlich gemacht. Die Versuche, durch eine Bildungsreform Chancengleichheit herzustellen, kommen nach einigen Erfolgen in den 1970er Jahren wie die Einführung von Gesamtschulen allerdings in den 1980er Jahren in das Stocken. Die verstärkte Förderung von Kindern aus bislang benachteiligten Bevölkerungsteilen führt zu dem Bildungsparadox, denn die "Inflation der Bildungsabschlüsse" und die steigende Arbeitslosigkeit führen dazu, dass die bislang bestehenden Ungleichheiten weiter erhalten bleiben. Zu diesem Urteil kommt auch die PISA-Studie von 2000, die erneut die Forderung nach Reformen des Bildungssystems laut werden lässt.== Literatur ==

  • Winfried Böhm: Geschichte der Pädagogik, München, 2004, ISBN 3-406-50853-7.
  • K. Harney, H. H. Krüger [Hrsg.]: Einführung in die Geschichte von Erziehungswissenschaft und Erziehungswirklichkeit, 2. Auflage, Opladen: Leske + Budrich, 1997, ISBN 3-8252-8109-4.
  • H. J. Heydorn, G. Koneffke: Studien zur Sozialgeschichte und Philosophie der Bildung, Band I, zur Pädagogik der Aufklärung, München: Paul List, 1973, ISBN 3-471-61666-7.
  • A. Reble: Geschichte der Pädagogik, 17. Auflage, Stuttgart: Klett-Cotta, 1993, ISBN 3-608-93011-6.

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